Bären TU-Kindergarten Hasen
 

  

TU-Kindergarten

1. Organisation
  • Kindergartenstruktur
Der Kindergarten wird als Verein in Selbstverwaltung durch die Eltern geführt. Er besteht aus zwei räumlich getrennten Gruppen, die jeweils von zwei Pädagoginnen betreut werden.

  1. Hasengruppe (Erdgeschoß): Kinder von 1,5 bis 3,5 Jahre mit ca. 12 Kinder
  2. Bärengruppe (1. Stock): Kinder von 3 bis 6 Jahren mit ca. 16 Kindern

  • Öffnungszeiten und Elternbeiträge

Die Kinder werden montags bis donnerstags von 8:00 bis 17:00 Uhr und freitags von 8:00 bis 16:00 Uhr betreut. Während dieser Zeit können die Kinder nahezu beliebig gebracht und abgeholt werden. Jeweils die erste und die letzte Stunde werden in einer Sammelgruppe verbracht.
Der Kindergarten ist während der Ferien im August (4 Wochen), zu Ostern (1 Woche) und zu Weihnachten (1 Woche) geschlossen.
Der Elternbeitrag beträgt 12 mal im Jahr für die Hasenkinder Eur 60,- und für die Bärenkinder Eur 70,- und inkludiert auch das Mittagessen, Vormittags- und Nachmittagsjause bzw. Kulturprogramm.  Bei Anmeldung des Kindes ist eine einmalige Kaution in der Höhe von ? 370,-- zu hinterlegen.

  • Betreuerinnen
Unsere Pädagoginnen sind vier Frauen mit langjähriger Berufserfahrung und spezifischen Ausbildungen (Reggio Pädagogik, Reformpädagogik mit Kreativitätsschwerpunkt, Heil- und Sonderpädagogik).

  • Essen
Jause und Mittagessen werden täglich frisch mit hauptsächlich Produkten aus kontrolliert biologischem Anbau zubereitet. Die Mahlzeiten finden regelmäßig zu relativ fixen Zeiten statt.

  • Elterndienste

Die Organisationsform des Kindergartens sieht folgende Dienste der Eltern vor:
- Kochdienst: ca. 1 Dienst pro Monat
Dieser umfasst den Einkauf und die Zubereitung des Essens, die Mithilfe beim Essen und das Saubermachen der Küche.
- Schlussdienst: ca. 2 Dienste pro Monat
Bärengruppe: Mo bis Do ab 16:00 Uhr und Fr ab 15:00 Uhr wird die Sammelgruppe gemeinsam mit einer Pädagogin eine Stunde lang betreut. Danach sind die Spielsachen zusammen zu räumen. Die Reinigung der Räumlichkeiten übernimmt derzeit ein professioneller Reinigungsdienst.
Hasengruppe: Mo bis Fr ab 14:00 Uhr wird die Hasengruppe gemeinsam mit einer Pädagogin zwei Stunden (am Fr eine Stunde) lang betreut. Danach sind die Spielsachen wegzuräumen.

Der Freitags-Schlussdienst übernimmt das Waschen der Handtücher, Überzüge etc.

-         Ersatzdienst: ca. 4 halbtätige Dienste pro Monat
Ein Elternteil muss im Krankheitsfall einer Pädagogin ersatzweise zur Betreuung der Kinder zur Verfügung stehen.


-         Begleitdienste: Bärengruppe: ca. 1 Dienst einen halben Tag halbjährig   
Ein Elternteil begleitet die Kinder und die Pädagoginnen bei größeren Außenaktivitäten (z.B. Ausflüge, Theater- und Museumsbesuche).
Hasengruppe: ca. 1 Dienst einen halben Tag pro Monat

Weiters übernehmen die Eltern eine spezielle Aufgabe (Reparaturarbeiten, Kopierdienste,
Besorgungsdienste etc.)
-         Während der Sommerferien übernehmen die Eltern die für die Instandhaltung der
Räumlichkeiten des Kindergartens notwendigen Reparatur- und Reinigungsarbeiten.
Aufgrund der Übernahme dieser Dienste durch die Eltern fällt der Kostenbeitrag im Vergleich zu anderen Kindergärten dieser Betreuungsqualität gering aus.

  • Elternabende
Elternabende finden monatlich statt. Hier werden alle inhaltlichen und organisatorischen Fragen des Kindergartens sowie persönliche Anliegen diskutiert und Lösungen erarbeitet.


2. Rolle der Eltern

Wir verstehen Erziehung als gemeinschaftliche Verantwortung mit den Pädagoginnen und sehen unsere Einrichtung als Familien erweiternde Betreuungsform. Mit unserem Wissen und unseren Kompetenzen bringen wir uns aktiv in die Organisation des Kindergartens ein und übernehmen durch die verschiedenen Dienste im Kindergarten Verantwortung. Wir sind an der Erziehung der Kinder beteiligt und geben unseren Erziehungsauftrag nicht aus der Hand. Durch unsere Einbindung und das familiäre Umfeld erlernen die Kinder den Umgang mit verschiedenen Erwachsenen.
Enger Kontakt und intensiver Austausch untereinander und mit den Pädagoginnen machen diese Kindergartenform einzigartig. Unsere Mitarbeit ist nicht nur notwendig für das Funktionieren des Kindergartens, sondern auch ein Privileg, den täglichen Ablauf im Kindergarten mitzugestalten. Wie wichtig diese Mitarbeit ist, erleben wir tagtäglich an der positiven Reaktion der Kinder. Aus unserer Sicht ist es eine Freude, am Leben der Kinder im Kindergarten teilzunehmen und den Tagesablauf der Kinder persönlich mitzuerleben.


3. Rolle der Pädagoginnen

Wir nehmen die Bedürfnisse, die Interessen und die Wünsche der Kinder sehr ernst und machen sie zum Ausgangspunkt unserer Arbeit. Durch das tägliche Miteinander, die gemeinsamen Überlegungen und Unternehmungen ist es möglich, individuelle Bedürfnisse heraus zu kristallisieren.
Wir wollen den Kindern Freiräume gewähren, ihre Wünsche und Vorstellungen akzeptieren und respektieren. In erster Linie sehen wir uns als Vertrauenspersonen und Partnerinnen der Kinder. Gleichzeitig sind wir uns aber unserer Autorität bewusst und üben diese auch aus. Reflexion dieser ist daher ein weiterer unabdingbarer Bestandteil unserer Arbeit.
Unser pädagogisches Tun ist eng an die Reflexion gebunden. Es kann als Zusammenspiel von Handlungsroutinen, Reflexion in der Handlung und Reflexion über die Handlung beschrieben werden. Das System des TU-Kindergartens (enge Zusammenarbeit mit den Eltern, Teambesprechungen und Möglichkeit der Supervision) bietet dafür eine gute Grundlage.
Wir leiten die Ziele und Inhalte aus der Analyse der konkreten Situation des Kindes und der Kindergruppe ab. Wir planen nicht für die Kinder, sondern gemeinsam mit ihnen. So erhalten die Kinder die Möglichkeit, Erlebtes zu verstehen und aufzuarbeiten. Die Mitwirkung der Eltern ist dabei selbstverständlich.


3a. Das Bild vom Kind

Wir wollen ?unseren? Kindern ein Umfeld bieten, in dem sie sich frei und ohne Angst entfalten können. Das Kind soll Akteur seiner eigenen Entwicklung sein, es wird also als Subjekt und nicht als Gegenstand von uns betrachtet. Wir bieten ihm vielfältige Möglichkeiten und Bedingungen, damit seine potentiellen Fähigkeiten lebendig werden können, unabhängig vom jeweiligen Geschlecht. Das Kind braucht Freiheit in der Wahrnehmung, aber ebenso Anleitung und Hilfe zur Strukturierung seiner Wahrnehmung.
Auch gilt es, einen Gleichbehandlungsanspruch gegenüber Kindern und Erwachsenen zu vertreten. Die eigene körperliche, soziale und technische Überlegenheit wird nicht als Machtmittel eingesetzt. Ziel ist es, Kinder als eigenständige Persönlichkeit zu ?be-achten? und ihre Individualität und Kreativität zu fördern. So können wir uns Montessoris Leitsatz ?Hilf mir, es selbst zu tun? anschließen. Das jeweilige Kind bewahrt dabei seine Freude am Tun, Erzählen, Verstehen, Wahrnehmen, Kennen lernen, Entdecken etc. und wird ein Stück weit begeleitet.


3b. Das Spiel

Das Spiel ist für die Entwicklung der Kinder eine wichtige Voraussetzung. Hier setzt es sich aktiv mit seiner Umwelt auseinander. Es entwickeln sich geistige und körperliche Fähigkeiten. Ausdauer, Konzentration und die Bereitschaft, sich anzustrengen, bilden sich immer mehr aus. Das Kind baut soziale Beziehungen auf, übt sich darin, Absprachen zu treffen, Rücksicht auf andere zu nehmen und von anderen zu lernen. Wir schaffen für unsere Kinder einen angemessenen Spielraum für freies und angeleitetes Spiel. Durch analysierendes Beobachten erfahren wir, welche Bedeutung bestimmte Themen, Rollen, Gegenstände oder Figuren für die Kinder haben.
Wir sind uns der Bedeutung und der förderlichen Wirkung des ?Spielens? bewusst und sehen darin die Möglichkeit der Entfaltung der einzelnen Persönlichkeiten und die Kreativität jedes einzelnen Kindes zu unterstützen. Es gilt daher Spielräume zu ermöglichen, wobei wir einen Rollenwechsel von Animateurin über Spielpartnerin und schließlich zur teilnehmenden Beobachterin vollziehen und miterleben.


4. Pädagogische Ziele

Wir sehen uns als Familien erweitertes System, in dem eine freie Entfaltung der Kreativität und der Individualität der Kinder gefördert wird. Die äußeren Rahmenbedingungen (wie z. B. geringe Kinderanzahl pro Gruppe, großes Raumangebot, hoher Betreuungsschlüssel) machen dies möglich.

Als Hauptziele unseres pädagogischen Handelns sind die Stärkung und Förderung der Ich-Kompetenz, der Sozialkompetenz und der Sachkompetenz zu nennen. Im Folgenden sollen diese durch eine Auflistung von Teilzielen näher erläutert werden.

  • Förderung der Selbständigkeit und des Selbstvertrauens
?Hilf mir, es selbst zu tun? gilt als Maxime unseres Handelns. Durch die Förderung und die Unterstützung der Selbstständigkeit soll das Selbstvertrauen gestärkt werden. Durch das Leben in einer Gemeinschaft wird ein Erleben seiner Selbst und in der Gruppe ermöglicht. Gezeichnet ist dieses von einem respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander und mit der Erfahrung, dass man als Individuum er- und anerkannt wird.

  • Förderung der Kommunikation
Der Spracherwerb wird gezielt gefördert. Einerseits  als Ausdrucks- und Verständigungsmittel untereinander, anderseits als Medium für Konfliktbewältigung. Emotionale Befindlichkeiten sollen in Wörter gefasst werden und so Ausdruck und Raum bekommen.

  • Förderung der Kreativität
Es sollen vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten kennen gelernt werden. Dafür wird die Umgebung der Kinder vorbereitet und es werden ihnen Materialien zur Verfügung gestellt. So soll es möglich werden, selbst Entdeckungen zu machen und dadurch Lösungsmöglichkeiten zu finden und Erlebnisse zu verarbeiten. Gedanken und Empfindungen können so zum Ausdruck kommen.

  • Emotionale Befindlichkeit
Wir verstehen darunter einen Teil der emotionalen Erziehung. Ziel ist es, eine Liebes- und Bindungsfähigkeit zu unterstützen und zu fördern. Geborgenheit, Sicherheit, emotionale Bedürfnisse, wie zum Beispiel Nähe aber auch Distanz, sollen erfüllt werden und somit eine Gefühlsansprechbarkeit, Erlebnisfähigkeit, Antriebs- und Gefühlssteuerung sowie ein Abbau von Frustrationen gewährleistet werden. Gefühle (wie Angst, Trauer, Wut, Freude) haben im Gemeinschaftsgefüge Platz und Raum und werden nicht unterdrückt.

  • Sozialverhalten
Durch das Zusammenleben und die Zusammenarbeit in der Gruppe wird die Entfaltung der Kontaktfähigkeit gewährleistet. Rücksichtnehmen, Mitgefühl zeigen, aber auch Erfahren, Interesse und Verständnis für die Verschiedenartigkeit der Menschen werden jeden Tag gelebt und erlebt.

  • Sensibilisierung der Wahrnehmungsfähigkeiten
Durch verschiedene methodische Zugänge werden Angebote gesetzt, die die Sinneswahrnehmung schulen. Ein ganzheitlicher Ansatz kommt hier zu tragen. Es werden so Problemursachen gesehen und erforscht und Kausalitäten erkannt.

  • Erleben des eigenen Körpers
Darunter werden die motorischen Bedürfnisse, der natürliche Bewegungsdrang der Kinder verstanden. Im Tagesablauf der Gruppen werden sowohl aktive wie auch passive Phasen eingeplant. Tägliches Hinausgehen (Spielplatz, Ausflüge, Schwimmen, Eislaufen etc.) und auch die Räumlichkeiten des Kindergartens (Toberaum) sollen dies gewährleisten.

  • Umweltbewältigung
Ein Öffnen nach Außen (siehe auch Punkt ?Erleben des eigenen Köpers?) ist uns aus mehreren Gründen sehr wichtig. Die Außenwelt wird im Kindergartenalltag mit einbezogen und so der Horizont der Kinder erweitert. Eine Sensibilisierung auf die Natur, die Umwelt und ihre Ressourcen soll dadurch erreicht werden. Waldwoche, Ausflüge ins Theater, Besuche von Museum und Ausstellungen, Spielen auf Spielplätzen in der Umgebung  etc. sind damit gemeint. So findet auch Verkehrserziehung in diesem Rahmen statt. Sicherheit im Straßenverkehr, Bewegung auch im öffentlichen Raum wird im Schutz der Gruppe bewerkstelligt.

  • Sexualität
Der Aufbau einer natürlichen Einstellung zur Geschlechtlichkeit soll unterstützen werden. Es geht uns um ein Hineinwachsen in ein partnerschaftliches Rollenverständnis und um ein Bescheidwissen über das Werden menschlichen Lebens.

  • Destruktivität
Es gilt darauf zu achten, dass Aggressivität wirklich abgebaut werden kann und nicht in Destruktivität umschlägt. Jedes Kind der Gruppe hat das Recht auf ungestörtes Spielen und Erleben. Es gilt, hierfür einen Rahmen zu schaffen, wo dies auch möglich ist.


5. Hasengruppe: Pädagogisches Konzept und Tagesablauf

5a. Pädagogisches Konzept

Durch die Altersstruktur  (1,5 bis 3 Jahre) bedingt, ergeben sich in der Hasengruppe spezifische Anforderungen und Schwerpunkte. Meist ist es das erste Mal, dass in diesem Alter die erste längere Trennung von den primären Bezugspersonen stattfindet. Gleichzeitig passiert die erste Sozialisation und das Kennenlernen eines Gruppengefüges. Die Aufgabe der Pädagoginnen besteht darin, diesen Prozess angstfrei und individuell zu gestalten und zu begleiten. Spielräume werden in einer Atmosphäre von Geborgenheit und Vertrautheit ermöglicht, so dass eine Stabilisierung jedes Kindes im Gruppengefüge und ein Wohlfühlen im Kindergarten gewährleistet werden.
Die Mitarbeit der Eltern (sei es Parkdienst am Vormittag oder Nachmittagsdienst) stellt nicht nur eine notwendige Wahrnehmung der Aufsichtspflicht dar, sondern ermöglicht uns einen direkten Kontakt und einen regen Austausch. Durch die aktive Anteilnahme der Eltern wird klar gestellt, dass der Kindergarten als erweitertes Familiensystem fungiert und nicht als ausgelagerte Betreuungsanstalt.
Um die Loslösung von zuhause möglichst angstfrei zu gestalten, ist in der Hasengruppe der Tagesablauf strukturiert und ritualisiert. Dies deshalb, um die Zeit bis zum Abholen begreiflich und messbar zu machen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Rituale in diesem Alter sehr wesentlich sind, um Halt und Sicherheit zu geben.


5b. Tagesablauf

Wir beginnen unseren gemeinsamen Tag mit einem Morgenkreis. Davor ist Zeit zum Freispiel, Kuscheln, Buch anschauen, sich Verabschieden, aber auch zum Schaukeln, Toben, Zeichnen und Malen usw. Ab halb zehn sind beide Pädagoginnen im Dienst und wir versammeln uns im Toberaum und singen gemeinsam unser Guten-Morgen-Lied. Anschließend bieten wir Fingerspiele und Kreisspiele sowie Elemente aus Rhythmik und Tanz an. Wir ermuntern die Kinder zwar mitzumachen, aber auch zuschauen und beobachten ist gerne erlaubt. Die Dauer des Angebotes richtet sich jeweils nach den Bedürfnissen der Kinder.
Im Anschluss daran gibt es eine gemeinsame Jause und ca. ab 10:30 Uhr gehen wir auf den Spielplatz. Wir wollen den motorischen Bedürfnissen der Kinder gerecht werden und deshalb sind wir beinah bei jedem Wetter unterwegs. Dienstags und donnerstags steht uns für unsere Ausflüge auch ein Elternteil zur Seite und so können wir auch weiter weg liegende Spielplätze erreichen. Manchmal schließen sich auch die älteren Hasen, die ja einmal zu Bären werden, einer Pädagogin der Bärengruppe an und besuchen ein Theaterstück oder die beiden Gruppen treffen sich auf einem Spielplatz, dann gibt es meist ein lautes Hallo.
Ca. um 11:30 Uhr kehren wir in den Kindergarten zurück und die Pflegeeinheit beginnt (natürlich wickeln wir auch bei Bedarf :) ). An dieser Stelle möchten wir erwähnen, dass der Sauberkeitswerdungsprozess von uns als individueller Entwicklungsschritt des Kindes erkannt und als solcher respektiert wird. Wir unterstützen das Kind gerne dabei, wenn es von sich aus dazu bereit ist.
Um 12 Uhr wird uns von den Kochdiensteltern das Mittagessen gebracht und nach Beendigung des Essens beginnt die Ruhephase. Es steht uns ein Schlafraum zur Verfügung, in dem eine Pädagogin die Kinder zu Bett bringt und solange anwesend ist, bis alle eingeschlafen sind. Gerne dürfen Teddys, Schnullis, Milchflaschen etc. zum Schlafen mitgenommen werden. Übergangsobjekte im Sinne Winnicotts sind uns willkommen. Wir sehen eine große Bedeutung darin, besonders in der Anfangszeit, damit sie in ungewohnten Situationen Vertrautheit und Geborgenheit vermitteln und Trost spenden. Für die Kinder, die sich in Schlafsituationen ängstigen, steht der Toberaum zur Verfügung, der in einen Kuschelraum umgewandelt wird, in dem die andere Pädagogin Bilderbücher anschaut oder Geschichten erzählt, so dass auch für die wachen Kinder eine Phase der Erholung und Entspannung möglich wird.
Ab 14 Uhr hat eine der Pädagoginnen Dienstschluss und ein Elternteil übernimmt mit der anderen Pädagogin den Nachmittagsdienst. Primär steht der Elterndienst für so genannte Hilfsdienste zur Verfügung, zum Beispiel das Vorbereiten der Jause. Aber es soll diese Zeit auch für ein gemeinsames Spiel mit den Kindern genützt werden. Meist ist es für das eigene Kind ein besonderer Tag, wenn sein Elternteil an der Reihe ist, Elterndienst zu machen. Ein gemeinsames Spiel mit dem eigenen Kind und seinen Spielgefährten oder die aktive Teilnahme und Unterstützung an den vorbereiteten Spielangeboten der Pädagogin ist wünschenswert. Gerne können auch eigene Spielideen eingebracht werden.
Um 15 Uhr findet dann eine weitere Jause im Kindergarten statt. Meist sind zu dieser Zeit auch alle Kinder wieder wach. Je nach Wetterlage wird anschließend nochmals der Spielplatz aufgesucht oder der Toberaum im Kindergarten genützt. Auch bietet der Nachmittag Raum für Kleingruppenarbeit mit den Kindern, wo Kreativität und Spaß im Vordergrund steht.
Von 16 Uhr bis 17 Uhr findet der Schlussdienst mit jeweils einer Pädagogin und einem Elternteil der Bärengruppe in den Räumlichkeiten der Bärengruppe bzw. bei Schönwetter am Spielplatz statt.

Resümierend lässt sich das pädagogische Konzept wie folgt beschreiben:
Der Spracherwerb, die motorische Entwicklung, die Sozialisierung in einer Gruppe und der ?Weg zum Ich? sind aufgrund der altersspezifischen Zusammensetzung der Kinder die zentralen Themen in der Hasengruppe. Alle Aktivitäten und Angebote (wie Malen, Singen, Finger- und Kreisspiele, Rhythmik und Bewegungseinheiten etc.) sind im Hinblick auf diese geplant und vorbereitet. Ein respektvoller Umgang miteinander und eine Atmosphäre, die von Geborgenheit und Vertrauen gekennzeichnet ist, sollen das erste Loslösen möglichst stress- und angstfrei ermöglichen. Ein strukturierter und ritualisierter Tagesablauf hilft dabei. Die Zusammenarbeit mit den Eltern kann gewährleisten, dass unser Kindergarten als erweitertes Familiensystem fungiert.

6. Bärengruppe: Pädagogisches Konzept und Tagesablauf

6a. Pädagogisches Konzept
In unserer Arbeit orientieren wir uns sowohl nach dem Prinzip des situationsbezogenen  Ansatzes als auch nach Schwerpunkten der Reggio Pädagogik.

Wir gehen von einem sehr positiven und starken Bild vom Kind aus und orientieren uns an dessen Lebenssituationen, Bedürfnissen, Interessen und Erfahrungen. Fragen und Erlebnisse der Kinder werden aufgegriffen und zum Ausgangspunkt für gemeinsame Aktivitäten und Projekte gemacht.

Die Projekte, welche immer an die Interessen der Kinder geknüpft sind, können sich über einige Stunden aber auch über einen längeren Zeitraum erstrecken. Der Prozess steht dabei im Vordergrund. Es ist uns wichtig, zu zeigen, wie man lernt. Wir sehen uns als Begleiter und nicht als Animateure. Wir versuchen uns zurückzunehmen und nicht sofort vorgefertigte Antworten zu geben, sondern Hilfe anzubieten, damit das Kind die Möglichkeit bekommt, weiterforschen zu können (zB durch Fragestellungen).
Wichtig ist auch die Beobachtung, um Kinder verstehen zu lernen und sich ihren Aktivitäten anschließen zu können. Die Kinder sollten genügend Zeit finden im Spiel, um ungestört  entdecken und experimentieren zu können.
Dabei kommt vielfältiges und auch anscheinend ?wertloses? Material zum Einsatz (verschiedene Papiere, Folien, Schachteln, Dekormaterial, Stoffreste, Draht, Gips, Haushaltsgegenstände, Flaschen, Stöpsel, Schlüssel uvm.), um die Kinder zu kreativem Tun, intensivem Schauen und Lernen mit allen Sinnen heraus zu fordern.
Uns ist es wichtig, dass die Kunstwerke die Handschrift der Kinder tragen und nicht die eines Erwachsenen. Wir Pädagoginnen werken nicht für die Eltern. Dadurch wird jedes ?Werk? der Kinder einzigartig und stellt für alle einen besonderen Wert dar.
 
Beim Morgenkreis (Plenum) werden neben gemeinsamen Aktivitäten wie Singen, Tanzen, Spaß und Spiel auch Aufgaben, Ideen, Tätigkeiten, Gefühle (wie geht es mir heute?) und Erlebnisse besprochen und erarbeitet.
Wir versuchen, die Kinder durch demokratisches Abstimmen und durch Einbringen von eigenen Ideen in Entscheidungsprozesse mit ein zu beziehen. Dadurch erleben die Kinder  anderen zuzuhören und auch einmal eigene Bedürfnisse hintanzustellen. Gleichzeitig machen sie aber auch die positive Erfahrung, dass einem zugehört wird und ihre Ideen und Vorschläge ernst genommen werden. Soziale Kompetenzen und das Gemeinschaftsgefühl werden dadurch gestärkt.

Es ist uns auch ein großes Anliegen, uns nach außen hin zu öffnen, um den Kindern einen spannenden und abwechslungsreichen Alltag zu ermöglichen.
Da wir keinen eigenen Garten oder Spielplatz besitzen, sind wir sehr viel in der näheren Umgebung präsent. Sobald es die Sicherheit und die Ausdauer der Kinder zulässt, bewegen wir uns gerne weiter weg und organisieren sowohl Tagesausflüge als auch Waldwochen, die natürlich nur durch die Unterstützung und die Mithilfe der Eltern möglich werden. Gerne gehen wir mit den Kindern ins Theater oder laden interessante Leute in den Kindergarten ein, die gegen eine gesonderte Bezahlung mit den Kindern musizieren, tanzen usw.

Neben den traditionellen Festen wie Fasching, Ostern, Laternen, Nikolaus und Weihnachten sind uns auch andere Feiern wichtig.
Der Geburtstag jedes Kindes wird in der Gruppe gemeinsam mit den Eltern gefeiert und dadurch zu einem besonderen Ereignis. Weiters planen alle Mitglieder des Kindergartens sowohl unser jährliches Sommerfest ?Rausschmeißfest? als auch den Themen der Kindergartenarbeit oder den Jahreszeiten angepasste Feste, wie zum Beispiel das Drachenfest.

Die Vorschulerziehung beginnt mit dem Eintritt in den Kindergarten. Aufbauend auf die Jahre bieten wir im letzten Kindergartenjahr eine spezielle, regelmäßig stattfindende Förderung in Kleingruppen an, um bereits Gelerntes zu vertiefen und die Freude auf die Schule und den Spaß am Lernen zu stärken. Bewegungs- und Gestaltungsspiele führen vom Erfassen der Formen hin zu Schreibschwüngen. Gemeinsame Spiele mit Mengen, Formen und Zahlen eröffnen den Kindern die Welt des Rechnens. Vorschulblätter gehören mehr oder weniger der Vergangenheit an und werden nur sehr spärlich von uns verwendet.


6b. Tagesablauf

Um 9 Uhr starten wir in den Tag. Es gibt keine festen Bring- und Abholzeiten, außer wir unternehmen einen Ausflug. Diesen geben wir rechtzeitig bekannt. Um ca 10 Uhr bieten wir eine gute Jause mit Müsli und Obst an. Bis dahin haben die Kinder Zeit, um anzukommen und sich zu orientieren (Freispiel und Kleingruppenarbeit).
Meistens nach der Jause signalisieren wir durch das Flötenspiel, dass wir uns zum Morgenkreis / Kinderplenum treffen (Konzentrationsphase). Anschließend gehen wir in einen Park, wenn es das Wetter zulässt (Freispiel und Konzentrationsphase in Kleingruppen).
Um ca 12 Uhr essen wir zu Mittag, wobei es uns ein Anliegen ist, dass die Kinder lernen, sich selbst ihre Portionen zu nehmen und ihre Teller selbstständig wegräumen. Nach dem Mittagessen gehen wir über in die Ruhephase, die bis 14 Uhr dauert. In dieser lesen wir gemeinsam Bücher oder hören uns eine Geschichte an. Die Kinder, die noch einen Mittagsschlaf brauchen, können im Ruhezimmer schlafen.
Um 15 Uhr gibt es nochmals eine gemeinsame Jause. Ab 16 Uhr werden die Gruppen zusammengelegt und eine Pädagogin macht mit einem Elternteil den Schlussdienst. Ein sanfter Übergang von einer Phase zur nächsten ist uns wichtig. Auch die Freiheit zu haben, auf besondere Bedürfnisse und Spielsituationen der Kinder einzugehen und die von uns geplanten Aktivitäten hintanzustellen, ist für uns von großer Bedeutung.